ISMENE. SCHWESTER VON.






Fotos von Dirk Rückschloß.
Ihre Mutter Iokaste erhängte sich, ihr Vater Ödipus stach sich die Augen aus, die Brüder Polyneikes und Eteokles metzelten sich im Kampf um die Macht in Theben nieder und Antigone, die Schwester, brach das Gesetz, indem sie den Bruder bestattete und wurde dafür mit dem Tod bestraft. Und Ismene? Hätte sie sich auch in die schicksalhafte Tragödie ihrer Familie einmischen sollen? In einer Zwischenwelt hat sie dreitausend Jahre darauf gewartet, ihren Platz in der Geschichte zu bestimmen. Wie entfesselt redet sie sich alles von der Seele; rechnet ab, mit ihrer Familie, mit ihrem Schicksal. Gibt es nicht auch ein Recht auf ein weniger heldenhaftes, „normales“ Leben? Ist es verwerflich, wenn man einfach nur glücklich sein will?
Lot Vekemans hat die bekannte antike Geschichte aus einer ganz neuen, individuellen Perspektive beleuchtet und sich dabei mit den großen Lebensthemen Liebe, Hass, Mut und Schwäche auseinandergesetzt. Für ihr Stück wurde die im Ausland meistgespielte niederländische Dramatikerin mit dem Van der Vies-prijs ausgezeichnet.
Premiere am 29.09.2023
Text: Lot Vekemans. Regie: Tamó Gvenetadze. Bühne: Martin Scherm. Kostümidee: Lasha Iashvili. Dramaturgie: Asia Schreiter.
Mit: Mira Sanjana Sharma.
Weitere Vorstellungen: 02.02.2024. (Letzte Vorstellung).
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WO STEHT DEIN MAULBEERBAUM?
Vom Auswandern und noch nicht Ankommen.











„Wenn man von seinem eigenen Land einmal weggegangen ist, dann kommt man in keinem neuen Land mehr an. Dann werden nur manche besonderen Menschen dein Land“, so hat die Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar einmal die Gefühlslage der Ausgewanderten in Europa beschrieben. Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie anderswo auf ein besseres Leben hoffen. Doch dort angekommen, sind sie längst nicht angekommen: auf der Suche nach Anerkennung, Chancen, einem Stück neuer Identität. Sie sind Menschen, die ihre Wurzeln gekappt haben, ohne dass ihnen starke neue wachsen. Das Theaterstück Wo steht dein Maulbeerbaum? der jungen Theatermacherin Tamó Gvenetadze erzählt von den vielleicht utopischen Vorstellungen der Emigrant*innen, die diese Menschen nach Europa treiben – und wie sie hier zerstört werden. Ob es sich dabei um die Hoffnungen der georgischen Rockband Soft Eject handelt, die in den 1990er-Jahren in Berlin und Bochum eine neue musikalische Heimat suchte, oder um die Erlebnisse junger Menschen, die heute hierherkommen, als Kriegsgeflüchtete oder Au-pairs. „In Europa ist es warm.“ „In Europa wird es mir gutgehen.“ „In Europa kann ich alles werden.“ „In Europa werden die Träume war.“ Es ist möglich, in Europa eigene Träume wahr werden zu sehen. Doch die Frage ist: Wie hoch ist der Preis? Der Preis ist sehr hoch. Ein Theaterabend über die Erfahrungen der in Europa Immigrierten – ehrlich, persönlich, voller Zorn und Sehnsucht.
Premiere am 7.01.2023
„Der „Maulbeerbaum“ ist ein Abend der leisen, nachdenklichen Töne.“
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Sven Westernströer
„Was nie so leicht kaputt geht ist das, was Gvenetadze unheimlich feinfühlig in ihrem Stück thematisiert und was jedem Menschen Stärke gibt: Freundschaft und Liebe.“
junge bühne, Martina Jacobi
„Nach erfolglosen Versuchen, einen Maulbeerbaumschößling in den Beton des Bühnenraums zu pfanzen, wird Risto Kübar mit halbtransparenter Plastikfolie in einen abgegrenzten Bereich eingeschlossen. «Lass mich doch hier zu Hause sein», ist der Wunsch. Integration fndet nicht statt, nur Ausgrenzung. Die dennoch nicht resignative Schlussfolgerung wird auf die Folie gesprüht: «Exil ist harte Arbeit.» Für diese Bochumer Inszenierung hat sie sich gelohnt.“
Theater heute, Gerhard Preußer
Regie: Tamó Gvenetadze. Bühne: Anna Wörl. Kostüm: Lasha Iashvili. Dramaturgie: Vasco Boenisch. Musik: Beka Buchukuri.
Mit: Marius Huth, Risto Kübar, Mercy Dorcas Otieno.
Weitere Vorstellungen: 23.06.2023 (Letzte Vorstellung).
24.11.2024 wird es im Rahmen des Festivals MADE IN GERMANY in Stuttgart im Kulturwerk spielen.