DAS RATHAUS – LIEBE LEUTE



Fotos von Nik Schölzel
Das ist das Komische, oder? Dass Alleinsein dazu führt,
dass wir die anderen möglichst weit von uns stoßen wollen.
Das Rathaus – ein Ort für die Menschen, Herz des Gemeinwesens, Tempel der Demokratie. Im Würzburger Rathaus warten die anonymen Bürger:innen A und B darauf, dass endlich ihre Nummern aufgerufen und sie zu ihrem Termin vorgelassen werden. Die Digitalanzeige zeigt seit geraumer Zeit unverändert die 92 an. A hat die Nummer 54 gezogen, B die 112. Ob die Anzeige hoch- oder runterzählt, lässt sich nicht ermitteln – es bewegt sich nichts. Des Weiteren halten sich im Rathaus auf: eine Standesbeamtin mit Liebeskummer, die sich beim Schreiben ihrer Traureden von der hauseigenen Grafeneckart- KI (GrEck-GPT) beraten lässt und die Frau mit dem Hund, die, seitdem sie sich einen Hund zugelegt hat, nur noch viel einsamer geworden ist.
Als sich auf einmal die elektronischen Schiebetüren des Bürgeramts nicht mehr öffnen lassen, werden die vier einsamen Gestalten zu einer Schicksalsgemeinschaft. Was hat sie eigentlich ins Rathaus geführt? Mit welchen Anliegen und Wünschen wenden sie sich an den Staat? Was kann man vom Rathaus, der Politik, der Gemeinschaft überhaupt noch erwarten?
Und kurz sieht es so aus, als ließe sich über den direkten Austausch der Menschen miteinander ein Bewusstsein für gemeinsam geteilte Ängste und Bedürfnisse schaffen und das demokratische Gemeinwesen neu begründen. Doch was wird davon übrigbleiben, sobald sich die Rathaustüren wieder öffnen?
Leonhard-Frank-Stipendiatin Annika Henrich macht sich mit viel Humor und klarem Blick für die Widersprüchlichkeiten der menschlichen Existenz auf die Suche nach den Grundlagen unserer Gemeinschaft.
Text: Annika Henrich. Regie: Tamó Gvenetadze. Ausstattung: Nikolai Kuchin. Dramaturgie: Tim Puls.
Mit: Toomas Täht, Loris Kubeng, Julia Baukus, Patricia Schäfer.
Premiere: 07.02.2026.
Weiteren Termine: 11.2, 14.2, 18.3, 21.3, 26.4, 22.5, 2.6, 6.6, 11.7, 23.07.2026.
Kritiken:
„Fast wie bei Beckett: In einem Rathaus-Wartesaal, in dem die Zeit stillzustehen scheint, begegnen sich vier Bürger. Und reden los. Aufs herrlichste. Annika Henrichs packendes Konversationsstück „Das Rathaus – Liebe Leute“ kommt in der Regie von Tamó Gvenetadze in Würzburg zur Uraufführung. Mit Flow und Glow.“
Nachtkritik.de
Annika Henrich verwebt geschickt Schweres und Leichtes, Komik und Tragik, Absurdes und Konkretes. Gute Dialoge und eine Fülle witziger Regie- und Videodetails machen das 80-minütige Stück ebenso unterhaltsam wie anrührend.
Theater der Zeit
„Nur der Hund hat einen Namen: Sheila. Alle anderen Figuren […] sind nach ihrer Funktion benannt: Die Wartenden A und B, die Standesbeamtin, die Frau mit dem Hund. Unter der Regie von Tamó Gvenetadze, werden sie allerdings sehr schnell zu unverwechselbaren Individuen, die eines gemeinsam haben: die Einsamkeit.“
Main Post